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Die größten Potenziale liegen oft im laufenden Betrieb

Hohe Energiekosten entstehen nicht ausschließlich durch steigende Strom- und Gaspreise. Auch unnötige Betriebszeiten, falsch eingestellte Anlagen, unerkannte Lastspitzen und schleichende technische Verluste können die Energiekosten eines Unternehmens erheblich beeinflussen. Das Problem: Viele dieser Verbräuche fallen im Arbeitsalltag kaum auf.

Eine Maschine läuft nach Produktionsende weiter. Die Lüftung arbeitet unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Druckluft entweicht über kleine Leckagen. Heizungs- und Kühlsysteme arbeiten gleichzeitig gegeneinander. Jeder einzelne Vorgang erscheint zunächst unbedeutend. Über Wochen, Monate und mehrere Standorte hinweg können daraus jedoch erhebliche Mehrkosten entstehen. Die gute Nachricht lautet:

Energieeinsparungen müssen nicht immer mit großen Investitionen beginnen.

Oft liegt der erste wirtschaftliche Hebel darin, den vorhandenen Energieverbrauch besser zu verstehen und bestehende Technik sinnvoller zu nutzen.

⚡ Energie sparen bedeutet nicht, den Betrieb einzuschränken

Der Begriff „Energiesparen“ wird häufig mit Verzicht verbunden. Weniger Licht, niedrigere Raumtemperaturen oder eingeschränkte Produktionszeiten sind jedoch nicht automatisch die sinnvollsten Maßnahmen. Für Unternehmen geht es vielmehr darum, Energie dort einzusetzen, wo sie tatsächlich benötigt wird. Eine wirtschaftlich sinnvolle Energieeffizienzmaßnahme sollte:

  • den Betriebsablauf nicht unnötig behindern,
  • Arbeitsqualität und Sicherheit erhalten,
  • technisch nachvollziehbar sein,
  • dauerhaft wirken,
  • messbare Einsparungen ermöglichen,
  • in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand stehen.

Das Ziel ist nicht, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Das Ziel ist:

Keine Energie unnötig zu bezahlen.

Der erste Schritt: Verbrauch sichtbar machen

Wer Energie sparen möchte, muss zunächst wissen, wo und wann sie verbraucht wird. Eine Jahresabrechnung zeigt den Gesamtverbrauch, beantwortet aber nur einen Teil der wichtigen Fragen. Für eine genauere Einschätzung sollten Unternehmen nach Möglichkeit auch folgende Informationen betrachten:

  • monatliche Strom- und Gasverbräuche,
  • Verbrauch außerhalb der Betriebszeiten,
  • saisonale Schwankungen,
  • Lastspitzen,
  • Verbrauch einzelner Standorte,
  • größere Maschinen und Anlagen,
  • Heizungs- und Kühlbedarf,
  • Druckluft- und Lüftungssysteme,
  • geplante betriebliche Veränderungen.

Besonders aufschlussreich ist häufig der Verbrauch in Zeiten, in denen der Betrieb eigentlich ruht. Wenn nachts, am Wochenende oder an Feiertagen weiterhin ein hoher Grundverbrauch besteht, laufen möglicherweise Anlagen, die nicht dauerhaft benötigt werden. Dieser sogenannte Grundlastverbrauch kann ein wichtiger Ausgangspunkt für erste Einsparmaßnahmen sein.

Videoempfehlung

Energieeffizienz in KMU: Erfahrungen aus der Praxis

Der Praxisbericht zeigt, wie Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe konkret umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt stehen technische Anlagen, Energiemanagement und die Frage, wie Unternehmen ihren Verbrauch systematisch untersuchen und wirtschaftliche Einsparpotenziale erschließen können.

Quelle: MVeffizient · Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern. Das Video wird über den erweiterten Datenschutzmodus von YouTube eingebunden.

📊 Verbräuche vergleichen statt nur Rechnungen bezahlen

Energieabrechnungen werden in vielen Unternehmen hauptsächlich auf ihren Rechnungsbetrag geprüft. Für eine systematische Bewertung sollten jedoch auch die Verbrauchswerte betrachtet werden. Dabei helfen einfache Vergleiche:

  • aktueller Monat gegenüber dem Vorjahresmonat,
  • aktuelles Jahr gegenüber dem Vorjahr,
  • Verbrauch je Produktionsmenge,
  • Verbrauch je Öffnungs- oder Betriebsstunde,
  • Verbrauch je Standort,
  • Verbrauch vor und nach einer technischen Veränderung.

Ein höherer Energieverbrauch muss nicht automatisch auf Verschwendung hinweisen. Er kann beispielsweise durch zusätzliche Produktion, längere Öffnungszeiten oder neue Maschinen verursacht werden. Entscheidend ist daher nicht nur der absolute Verbrauch, sondern sein Verhältnis zur tatsächlichen Betriebsleistung. Steigt der Energiebedarf deutlich stärker als Produktion, Fläche oder Betriebszeit, sollte genauer geprüft werden.

Acht Bereiche mit häufigen Einsparpotenzialen

Energieverbrauch entsteht in jedem Unternehmen anders. Dennoch gibt es einige Bereiche, in denen sich besonders häufig unnötige Kosten finden lassen.

1. Unnötige Betriebs- und Bereitschaftszeiten

Viele Maschinen und Anlagen verbrauchen auch dann Energie, wenn sie nicht aktiv genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Produktionsmaschinen im Bereitschaftsmodus,
  • Computer und Monitore,
  • Drucker und Kopierer,
  • Beleuchtung außerhalb der Arbeitszeiten,
  • Pumpen,
  • Lüftungsanlagen,
  • Warmwassergeräte,
  • Ladegeräte,
  • Küchen- und Pausengeräte.

Ein klarer Abschaltplan kann helfen, unnötige Laufzeiten zu reduzieren. Dabei sollte eindeutig festgelegt werden:

  • welche Anlagen vollständig abgeschaltet werden dürfen,
  • welche Systeme dauerhaft aktiv bleiben müssen,
  • wer für die Kontrolle zuständig ist,
  • welche Ausnahmen gelten,
  • wann Anlagen wieder hochgefahren werden müssen.

Technische Zeitschaltfunktionen, schaltbare Steckdosenleisten oder zentrale Steuerungen können diesen Prozess unterstützen. Wichtig ist, sicherheitsrelevante oder technisch empfindliche Systeme nicht ohne Prüfung vom Netz zu trennen.

2. Beleuchtung bedarfsgerecht steuern

Beleuchtung gehört in vielen Gewerbebetrieben zu den dauerhaft sichtbaren Energieverbrauchern. Besonders bei langen Öffnungs- oder Produktionszeiten kann sich eine Optimierung schnell bemerkbar machen. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Umstellung auf effiziente LED-Beleuchtung,
  • getrennte Schaltung einzelner Bereiche,
  • Bewegungs- und Präsenzmelder,
  • Tageslichtsensoren,
  • angepasste Beleuchtungszeiten,
  • regelmäßige Reinigung von Leuchten und Lichtflächen,
  • Vermeidung unnötiger Außenbeleuchtung.

Nicht jeder Raum benötigt zu jeder Zeit die gleiche Lichtstärke. Lagerbereiche, Flure, Nebenräume oder Sanitärbereiche können häufig bedarfsgerecht gesteuert werden. Dabei dürfen Arbeitsschutz, Sicherheit und erforderliche Beleuchtungsstärken selbstverständlich nicht beeinträchtigt werden.

3. Heizung und Raumtemperatur überprüfen

Bereits kleine Abweichungen bei der Raumtemperatur können den Energiebedarf eines Gebäudes beeinflussen. In vielen Unternehmen sind Heizungsanlagen jedoch nicht optimal auf Betriebszeiten, Gebäudenutzung und tatsächlichen Wärmebedarf abgestimmt. Häufige Ursachen unnötigen Verbrauchs sind:

  • zu hohe Raumtemperaturen,
  • Heizung außerhalb der Nutzungszeiten,
  • dauerhaft geöffnete Fenster,
  • falsch eingestellte Heizkurven,
  • nicht abgestimmte Heizkreise,
  • zugestellte Heizkörper,
  • schlecht gedämmte Leitungen,
  • fehlende Nacht- oder Wochenendabsenkung.

Eine pauschale Absenkung ist allerdings nicht in jedem Betrieb sinnvoll. Produktionsprozesse, Lagerbedingungen, Feuchtigkeit, Gebäudetechnik und Arbeitsschutz können bestimmte Temperaturen erfordern. Deshalb sollte die Heizungsoptimierung immer zur tatsächlichen Nutzung des Gebäudes passen.

4. Lüftung und Kühlung bedarfsgerecht betreiben

Lüftungs- und Kühlsysteme können einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch haben. Besonders ineffizient wird es, wenn Heizung und Kühlung gleichzeitig arbeiten oder Lüftungsanlagen unabhängig von Belegung und Luftqualität dauerhaft mit voller Leistung laufen. Unternehmen sollten unter anderem prüfen:

  • Sind Betriebszeiten korrekt eingestellt?
  • Werden leere Räume belüftet oder gekühlt?
  • Sind Filter sauber?
  • Sind Temperaturvorgaben sinnvoll?
  • Arbeiten Heizung und Kühlung gegeneinander?
  • Können Drehzahlen oder Luftmengen angepasst werden?
  • Werden Türen und Fenster unnötig offen gehalten?
  • Sind Kühl- und Gefrieranlagen regelmäßig gewartet?

Verschmutzte Filter, vereiste Verdampfer oder beschädigte Türdichtungen können dazu führen, dass Anlagen mehr Energie benötigen, obwohl ihre Leistung abnimmt. Regelmäßige Wartung ist deshalb nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Maßnahme.

5. Druckluftverluste reduzieren

Druckluft ist in vielen Produktions- und Handwerksbetrieben unverzichtbar. Ihre Erzeugung ist jedoch vergleichsweise energieintensiv. Schon kleine Leckagen können dauerhaft erhebliche Mengen Druckluft verlieren. Da Kompressoren den entstehenden Druckverlust ausgleichen müssen, steigt der Stromverbrauch. Typische Schwachstellen sind:

  • Kupplungen,
  • Schläuche,
  • Ventile,
  • Anschlüsse,
  • Dichtungen,
  • Leitungsverbindungen.

Leckagen sind während des laufenden Betriebs aufgrund der allgemeinen Geräuschkulisse häufig schwer zu erkennen. Eine Kontrolle außerhalb der Produktionszeiten kann deshalb besonders hilfreich sein. Zusätzlich sollte geprüft werden:

  • Ist der eingestellte Druck wirklich erforderlich?
  • Läuft der Kompressor außerhalb der Betriebszeiten?
  • Werden ungeeignete Anwendungen mit Druckluft betrieben?
  • Kann entstehende Abwärme genutzt werden?
  • Ist das Leitungsnetz sinnvoll dimensioniert?

Ein unnötig hoher Betriebsdruck erhöht nicht nur den Energieverbrauch, sondern kann auch Verschleiß und Leckageverluste verstärken.

6. Motoren, Pumpen und Antriebe optimieren

Elektromotoren treiben in Unternehmen zahlreiche Anlagen an. Dazu gehören:

  • Pumpen,
  • Ventilatoren,
  • Förderbänder,
  • Kompressoren,
  • Produktionsmaschinen,
  • Kühl- und Lüftungstechnik.

Besonders bei langen Laufzeiten kann die Effizienz eines Motors wirtschaftlich relevant sein. Nicht immer ist jedoch sofort ein Austausch erforderlich. Zunächst sollte geprüft werden:

  • Läuft die Anlage länger als nötig?
  • Ist sie überdimensioniert?
  • Arbeitet sie dauerhaft unter Teillast?
  • Kann die Drehzahl geregelt werden?
  • Gibt es mechanische Widerstände?
  • Sind Lager und Antriebe ausreichend gewartet?
  • Ist die Steuerung auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt?

Drehzahlgeregelte Antriebe können bei Pumpen und Lüftern sinnvoll sein, wenn der Leistungsbedarf stark schwankt. Auch hier gilt: Eine technische Investition sollte auf realen Betriebsdaten beruhen.

7. Lastspitzen vermeiden

Nicht nur die verbrauchte Energiemenge kann Kosten verursachen. Bei bestimmten Gewerbe- und Industriekunden spielt auch die gleichzeitig benötigte Leistung eine wichtige Rolle. Wenn mehrere große Verbraucher zur selben Zeit anlaufen, kann eine Lastspitze entstehen.

Mögliche Auslöser sind:

  • gleichzeitiger Maschinenstart,
  • parallele Ladeprozesse,
  • elektrische Wärmeerzeugung,
  • Kompressoren,
  • Kühlanlagen,
  • Produktionsspitzen,
  • zusätzliche Verbraucher nach Schichtbeginn.

Eine zeitliche Staffelung kann helfen, solche Spitzen zu reduzieren.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Maschinen nacheinander starten,
  • Ladevorgänge verteilen,
  • Produktionsschritte zeitlich abstimmen,
  • Speicher gezielt einsetzen,
  • steuerbare Verbraucher automatisieren,
  • Warnwerte für Leistungsspitzen festlegen.

Lastmanagement kann besonders dann interessant sein, wenn neue Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen oder zusätzliche Maschinen geplant sind.

8. Mitarbeitende sinnvoll einbeziehen

Technische Maßnahmen allein reichen häufig nicht aus. Energieverbrauch entsteht auch durch tägliche Routinen. Mitarbeitende sollten deshalb wissen:

  • welche Anlagen abgeschaltet werden können,
  • wie Lüftung und Heizung richtig genutzt werden,
  • an wen ungewöhnlicher Verbrauch gemeldet wird,
  • wie mit Türen, Fenstern und Beleuchtung umzugehen ist,
  • warum bestimmte Abläufe verändert werden.

Wichtig ist, Energieeffizienz nicht als reine Kontrollmaßnahme zu vermitteln. Besser ist ein klares und praktisches System. Hinweise sollten konkret sein:

Nicht „Energie sparen“, sondern beispielsweise:

  • Hallenbeleuchtung nach Schichtende ausschalten,
  • Druckluftleckagen sofort melden,
  • Laderäume geschlossen halten,
  • Maschinen nicht unnötig im Leerlauf betreiben,
  • Fenster bei laufender Heizung nicht dauerhaft kippen.

Auch ein einfaches internes Meldesystem kann hilfreich sein. Mitarbeitende erkennen technische Auffälligkeiten oft früher als externe Prüfer, weil sie täglich mit den Anlagen arbeiten.

Kleine Maßnahmen zuerst – größere Investitionen gezielt planen

Nicht jedes Einsparpotenzial erfordert eine große Investition. Viele Maßnahmen lassen sich mit geringem Aufwand umsetzen:

  • Betriebszeiten anpassen,
  • Temperaturen kontrollieren,
  • Abschaltpläne erstellen,
  • Leckagen beseitigen,
  • Beleuchtung zonieren,
  • Filter reinigen,
  • Verantwortlichkeiten festlegen,
  • Verbrauchswerte regelmäßig vergleichen.

Größere technische Maßnahmen können anschließend dort geprüft werden, wo dauerhaft hohe Verbräuche bestehen. Dazu gehören beispielsweise:

  • moderne Motoren und Antriebe,
  • Gebäudeautomation,
  • Wärmerückgewinnung,
  • neue Heiz- oder Kühlsysteme,
  • Photovoltaik,
  • Batteriespeicher,
  • Energiemanagementsysteme,
  • energetische Gebäudesanierung.

Die Reihenfolge ist entscheidend. Eine neue Anlage sollte nicht dazu dienen, vermeidbare Verbräuche lediglich günstiger zu versorgen. Sinnvoller ist:

Zuerst unnötigen Bedarf reduzieren, anschließend den verbleibenden Bedarf effizienter decken.

Wirtschaftlichkeit richtig bewerten

Eine Energieeffizienzmaßnahme sollte nicht ausschließlich nach ihren Anschaffungskosten beurteilt werden. Wichtige Bewertungskriterien sind:

  • Investitionssumme,
  • jährliche Einsparung,
  • erwartete Nutzungsdauer,
  • Wartungsaufwand,
  • Ausfallrisiko,
  • Einfluss auf Produktionsqualität,
  • mögliche Förderungen,
  • technische Abhängigkeiten,
  • zukünftige Energiepreisentwicklung.

Eine sehr günstige Maßnahme mit geringer Wirkung kann weniger sinnvoll sein als eine etwas größere Investition mit dauerhaft hohem Einsparpotenzial. Gleichzeitig müssen nicht alle Maßnahmen sofort umgesetzt werden. Eine Priorisierung kann beispielsweise nach drei Gruppen erfolgen:

Sofortmaßnahmen

Geringer Aufwand, schnelle Umsetzung und direkt messbare Wirkung.

Beispiele:

  • Betriebszeiten korrigieren,
  • Temperaturen anpassen,
  • unnötige Verbraucher abschalten,
  • Druckluftleckagen beseitigen.

Mittelfristige Maßnahmen

Überschaubare Investitionen mit klarer technischer Wirkung.

Beispiele:

  • LED-Beleuchtung,
  • Sensorik,
  • regelbare Antriebe,
  • verbesserte Steuerungen,
  • Unterzähler.

Strategische Maßnahmen

Größere Investitionen mit langfristigem Einfluss auf Energiebedarf und Versorgung.

Beispiele:

  • Photovoltaik,
  • Speicher,
  • neue Wärmeversorgung,
  • Wärmerückgewinnung,
  • Gebäudesanierung,
  • umfassendes Energiemanagement.

Einsparerfolge müssen messbar bleiben

Eine Maßnahme gilt nicht allein deshalb als erfolgreich, weil sie technisch umgesetzt wurde. Entscheidend ist, ob der Verbrauch tatsächlich sinkt. Nach einer Veränderung sollten deshalb geeignete Vergleichswerte festgelegt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Verbrauch vor und nach der Maßnahme,
  • Vergleich ähnlicher Monate,
  • Verbrauch je Produktionsmenge,
  • Laufzeiten einzelner Anlagen,
  • Höhe der Lastspitzen,
  • Grundlast außerhalb der Betriebszeiten.

Dabei müssen äußere Einflüsse berücksichtigt werden. Ein kalter Winter, höhere Produktionsmengen oder längere Öffnungszeiten können den Gesamtverbrauch erhöhen, obwohl eine Maßnahme technisch wirksam ist. Je besser die Vergleichsdaten sind, desto zuverlässiger lässt sich der tatsächliche Erfolg beurteilen.

Energieeinsparung und Energiebeschaffung zusammendenken

Ein sinkender Energieverbrauch verändert auch die Grundlage zukünftiger Strom- und Gasverträge. Wenn ein Unternehmen größere Effizienzmaßnahmen umsetzt, kann die bisher vereinbarte Energiemenge möglicherweise nicht mehr zum zukünftigen Bedarf passen.

Umgekehrt können neue Maschinen, Wärmepumpen, Ladepunkte oder zusätzliche Standorte Einsparungen in anderen Bereichen teilweise ausgleichen. Deshalb sollten Energieeffizienz und Energiebeschaffung nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Vor einem neuen Vertragsabschluss sollte geprüft werden:

  • Welche Einsparmaßnahmen wurden bereits umgesetzt?
  • Welche Maßnahmen sind geplant?
  • Wie verändert sich der Verbrauch voraussichtlich?
  • Gibt es neue elektrische Verbraucher?
  • Wird Gas teilweise durch Strom ersetzt?
  • Kommt eine eigene Stromerzeugung hinzu?
  • Verändern sich Produktionszeiten oder Standorte?

Ein Energievertrag sollte nicht nur zum bisherigen Verbrauch passen. Er sollte auch die erwartete Entwicklung des Unternehmens berücksichtigen.

✅ Zehn Fragen für den betrieblichen Energiecheck

Unternehmen können ihre aktuelle Situation mit zehn einfachen Fragen überprüfen:

  1. Kennen wir unseren Verbrauch außerhalb der Betriebszeiten?
    Ein hoher Nacht- oder Wochenendverbrauch kann auf unnötig laufende Anlagen hinweisen.
  2. Sind Abschaltregeln eindeutig festgelegt?
    Mitarbeitende sollten wissen, welche Systeme ausgeschaltet werden dürfen und welche dauerhaft aktiv bleiben müssen.
  3. Sind Heizungs-, Lüftungs- und Kühlzeiten korrekt eingestellt?
    Veraltete Zeitprogramme führen häufig zu unnötigem Verbrauch.
  4. Gibt es Druckluftleckagen?
    Auch kleine Undichtigkeiten können dauerhaft hohe Verluste verursachen.
  5. Entstehen vermeidbare Lastspitzen?
    Der gleichzeitige Betrieb großer Verbraucher sollte überprüft werden.
  6. Wird Energieverbrauch regelmäßig verglichen?
    Veränderungen sollten nicht erst auf der Jahresabrechnung auffallen.
  7. Sind technische Anlagen ausreichend gewartet?
    Verschmutzung, Verschleiß und falsche Einstellungen erhöhen häufig den Energiebedarf.
  8. Werden Mitarbeitende praktisch einbezogen?
    Klare Handlungsanweisungen sind wirksamer als allgemeine Sparappelle.
  9. Sind geplante Investitionen auf Verbrauchsdaten gestützt?
    Anlagen sollten nicht nach Gefühl dimensioniert werden.
  10. Passen unsere Energieverträge noch zum zukünftigen Bedarf?
    Einsparungen und betriebliche Veränderungen sollten bei der Beschaffung berücksichtigt werden.

Energieeffizienz ist ein fortlaufender Prozess

Ein einmaliger Energiecheck kann wichtige Potenziale sichtbar machen. Dauerhafte Einsparungen entstehen jedoch erst, wenn Verbrauch und Technik regelmäßig überprüft werden. Unternehmen sollten deshalb feste Zuständigkeiten und einen wiederkehrenden Prüfrhythmus festlegen. Sinnvoll sind beispielsweise:

  • monatliche Kontrolle wichtiger Verbrauchswerte,
  • jährliche Überprüfung der größten Verbraucher,
  • Kontrolle nach technischen Veränderungen,
  • regelmäßige Prüfung von Vertragsfristen,
  • Dokumentation umgesetzter Maßnahmen,
  • Bewertung der tatsächlichen Einsparergebnisse.

Energieeffizienz muss dabei nicht zu einem komplizierten Verwaltungsprojekt werden. Schon wenige verlässliche Kennzahlen können helfen, ungewöhnliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

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Quellen und weiterführende Informationen

Energieverbrauch erkennen und Einsparpotenziale nutzen

Die folgenden amtlichen Informationsangebote liefern Hintergrundwissen zu Energieeffizienz in Unternehmen, Energieaudits, effizienten Anlagen und Prozessen sowie zu Beratungs- und Fördermöglichkeiten.

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