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Strompreis verstehen:

Strompreis verstehen: Warum Netzentgelte, Abgaben und Lastprofil über die tatsächlichen Kosten entscheiden

Wenn über Strompreise gesprochen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit häufig auf die Energiebörse. Steigen die Großhandelspreise, wird mit höheren Stromkosten gerechnet. Fallen sie, entsteht schnell die Erwartung, dass sich dies unmittelbar und vollständig auf der nächsten Unternehmensrechnung bemerkbar machen müsste. In der Praxis ist der Zusammenhang deutlich komplexer.

Der eigentliche Energieeinkauf ist nur ein Bestandteil des Strompreises. Hinzu kommen Netzentgelte, Kosten für Messung und Abrechnung, Steuern, gesetzliche Abgaben und Umlagen sowie die Vertriebskosten des Lieferanten. Bei größeren gewerblichen Verbrauchern kann außerdem die höchste gleichzeitig benötigte Leistung eine wichtige Rolle spielen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie teuer ist Strom aktuell am Großhandelsmarkt?

Sondern:

Aus welchen Bestandteilen setzt sich unser tatsächlicher Strompreis zusammen?

⚡ Der Börsenstrompreis ist nicht der Endpreis

Strom wird an unterschiedlichen Märkten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten gehandelt. Energieversorger können zukünftige Liefermengen am Terminmarkt absichern oder kurzfristige Mengen am Spotmarkt beschaffen. Aus diesen Einkaufsentscheidungen entstehen Beschaffungskosten.

Diese Beschaffungskosten bilden jedoch noch nicht den Preis, den ein Unternehmen am Ende bezahlt. Die Bundesnetzagentur unterscheidet beim Strompreis grundsätzlich zwischen der wettbewerblichen Komponente aus Beschaffung, Vertrieb und Marge, der Infrastrukturkomponente mit Netz- und Messentgelten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.

Das erklärt, warum sich unterschiedliche Preisbestandteile nicht immer in dieselbe Richtung bewegen. Der Marktpreis kann sinken, während Netzentgelte oder andere Kostenbestandteile steigen. Ebenso kann ein langfristig abgesicherter Liefervertrag noch auf älteren Beschaffungspreisen beruhen, obwohl die aktuellen Börsenpreise bereits niedriger liegen.

Videoempfehlung

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Das Erklärvideo zeigt, aus welchen wesentlichen Bestandteilen sich ein Strompreis zusammensetzt. Neben der eigentlichen Energiebeschaffung werden auch Netznutzung, staatlich bestimmte Bestandteile sowie weitere Kosten der Stromversorgung verständlich eingeordnet.

Das Video erläutert die grundlegende Preisstruktur. Die tatsächlichen Stromkosten eines Unternehmens hängen zusätzlich vom Vertrag, Verbrauch, Netzgebiet, Lastprofil, Leistungspreis und möglichen betrieblichen Besonderheiten ab.

Quelle: Stadtwerke Osnabrück AG. Das Video wird über den erweiterten Datenschutzmodus von YouTube eingebunden.

Aus welchen Bestandteilen besteht der Strompreis?

Die genaue Struktur hängt vom Vertrag, der Lieferstelle, dem Netzgebiet und der Verbrauchssituation ab. Grundsätzlich lassen sich jedoch mehrere Kostenblöcke unterscheiden.

1. Energiebeschaffung

Die Energiebeschaffung umfasst die Kosten, die für den Einkauf des benötigten Stroms entstehen. Je nach Vertragsmodell kann die Beschaffung:

  • langfristig abgesichert,
  • in mehreren Tranchen vorgenommen,
  • an einen Marktindex gekoppelt,
  • teilweise spotmarktnah gestaltet,
  • aus mehreren Beschaffungsformen kombiniert werden.

Der Beschaffungspreis kann sich deshalb von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden – selbst wenn beide im selben Zeitraum Strom beziehen. Ein Lieferant, der Energiemengen bereits frühzeitig abgesichert hat, arbeitet mit einer anderen Kostenbasis als ein Anbieter, dessen Produkt stärker an kurzfristigen Marktpreisen orientiert ist.

2. Vertrieb, Service und Marge

Ein Energieversorger übernimmt nicht nur den Einkauf des Stroms. Zu seinen Aufgaben können unter anderem gehören:

  • Vertragsverwaltung,
  • Verbrauchsprognose,
  • Bilanzierung,
  • Abrechnung,
  • Kundenservice,
  • Risikomanagement,
  • Zahlungsabwicklung,
  • Beschaffung fehlender Mengen.

Diese Leistungen und Risiken fließen in die Kalkulation ein. Deshalb ist ein Energieangebot nicht allein eine Weitergabe des Börsenstrompreises.

3. Netzentgelte

Netzentgelte werden für die Nutzung der Stromnetze erhoben. Sie finanzieren unter anderem Betrieb, Wartung und Ausbau der Netzinfrastruktur. Netzentgelte sind reguliert und werden sowohl von Haushalten als auch von Industrie- und Gewerbekunden getragen. Für Unternehmen können sie einen erheblichen Teil der gesamten Stromkosten ausmachen. Ihre konkrete Höhe hängt unter anderem ab von:

  • Netzgebiet,
  • Spannungsebene,
  • Verbrauchsmenge,
  • maximaler Leistung,
  • Benutzungsdauer,
  • Mess- und Lastprofil,
  • gegebenenfalls bestehenden gesetzlichen Sonderregelungen.

Netzentgelte sind daher nicht überall in Deutschland gleich hoch. Zwei Unternehmen mit ähnlichem Verbrauch können unterschiedliche Gesamtkosten haben, wenn sie in verschiedenen Netzgebieten liegen oder unterschiedliche Lastprofile aufweisen.

4. Messstellenbetrieb und Abrechnung

Damit Stromverbrauch und Leistung korrekt erfasst werden können, sind Messeinrichtungen erforderlich.

Dazu gehören je nach Lieferstelle beispielsweise:

  • konventionelle Zähler,
  • moderne Messeinrichtungen,
  • intelligente Messsysteme,
  • registrierende Leistungsmessung,
  • Kommunikations- und Datenübertragungstechnik.

Die Kosten für Messstellenbetrieb, Messung und Abrechnung können als eigene Bestandteile ausgewiesen oder in andere Preispositionen integriert sein.

5. Steuern

Zum Strompreis gehören steuerliche Bestandteile.

Dazu zählen insbesondere:

  • Stromsteuer,
  • Umsatzsteuer.

Ob und in welchem Umfang für ein Unternehmen mögliche Entlastungen infrage kommen, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und der konkreten betrieblichen Situation ab.

Solche Regelungen sollten nicht pauschal vorausgesetzt werden.

6. Umlagen und Abgaben

Zusätzlich können gesetzlich festgelegte Umlagen und Abgaben Bestandteil des Strompreises sein. Dazu gehören je nach geltender Rechtslage beispielsweise:

  • Konzessionsabgabe,
  • KWKG-Umlage,
  • Offshore-Netzumlage,
  • Aufschläge für besondere Netznutzung.

Die Höhe und Bezeichnung einzelner Bestandteile können sich im Laufe der Zeit verändern. Unternehmen sollten deshalb nicht mit alten Strompreisaufteilungen arbeiten, sondern die aktuelle Rechnung und das konkrete Angebot prüfen.

Stromkosten richtig vergleichen

Arbeitspreis und Grundpreis richtig einordnen

Bei vielen Stromverträgen werden mindestens ein verbrauchsabhängiger Arbeitspreis und ein fester Grundpreis ausgewiesen.

Der Arbeitspreis

Der Arbeitspreis wird üblicherweise in Cent je Kilowattstunde angegeben. Er wird mit der tatsächlich verbrauchten Strommenge multipliziert.

Vereinfachtes Beispiel

Ein Unternehmen verbraucht 100.000 Kilowattstunden im Jahr. Der vereinbarte Arbeitspreis beträgt 20 Cent je Kilowattstunde.

100.000 kWh × 0,20 € = 20.000 €

Der verbrauchsabhängige Kostenanteil beträgt in diesem Beispiel 20.000 Euro. Weitere Preisbestandteile und vertragliche Besonderheiten sind darin noch nicht berücksichtigt.

Der Grundpreis

Der Grundpreis wird unabhängig von der tatsächlich verbrauchten Energiemenge erhoben.

Er kann feste Kosten abdecken, die beispielsweise mit Vertrag, Abrechnung, Messung oder Bereitstellung der Lieferstelle verbunden sind.

Bei einem Unternehmen mit hohem Jahresverbrauch fällt der Grundpreis prozentual häufig weniger stark ins Gewicht als bei einer kleinen Lieferstelle.

Bei mehreren Standorten kann die Summe vieler einzelner Grundpreise dennoch einen relevanten Kostenblock bilden.

Für einen belastbaren Angebotsvergleich müssen Arbeitspreis, Grundpreis und sämtliche weiteren Preisbestandteile zu realistischen Jahresgesamtkosten zusammengeführt werden.

Der Leistungspreis: Wenn die höchste Spitze zählt

Bei leistungsgemessenen Kunden kann zusätzlich zum Arbeitspreis ein Leistungspreis anfallen. Das Netzentgelt kann dann aus einem Arbeitspreis für die entnommene Energiemenge und einem Leistungspreis für die maximal beanspruchte Leistung bestehen. Damit wird nicht nur betrachtet, wie viel Strom über das Jahr hinweg verbraucht wurde. Es wird auch berücksichtigt, wie hoch der maximale gleichzeitige Leistungsbedarf war. Ein Unternehmen kann deshalb einen relativ moderaten Jahresverbrauch haben und trotzdem hohe leistungsabhängige Kosten verursachen, wenn einzelne starke Lastspitzen auftreten.

Ein vereinfachtes Beispiel für den Leistungspreis

Zwei Unternehmen verbrauchen im Jahr jeweils 500.000 Kilowattstunden.

Unternehmen A

Der Verbrauch verteilt sich relativ gleichmäßig über die Betriebszeiten. Die höchste gemessene Leistung liegt bei 120 Kilowatt.

Unternehmen B

Der Jahresverbrauch ist identisch. Mehrmals starten jedoch große Maschinen, Kompressoren und Ladeeinrichtungen gleichzeitig. Die höchste gemessene Leistung liegt bei 260 Kilowatt. Obwohl beide Unternehmen dieselbe Energiemenge verbrauchen, kann Unternehmen B aufgrund der höheren maximalen Leistung deutlich höhere leistungsbezogene Kosten haben. Das Beispiel zeigt:

Gleicher Jahresverbrauch bedeutet nicht automatisch gleiche Stromkosten.

Warum Netzentgelte regional unterschiedlich sind

Deutschland verfügt nicht über ein einziges einheitliches Verteilnetz. Verschiedene Netzbetreiber unterhalten regionale Netze mit unterschiedlichen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Die Netzkosten können unter anderem beeinflusst werden durch:

  • Länge und Struktur des Netzes,
  • Bevölkerungs- und Unternehmensdichte,
  • notwendige Investitionen,
  • dezentrale Einspeisung,
  • Wartungsaufwand,
  • Spannungsebenen,
  • vorgelagerte Netzkosten,
  • regulatorische Vorgaben.

Ein dünn besiedeltes Netzgebiet kann andere Kostenstrukturen haben als ein dichtes städtisches Gebiet.

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien kann regionale Netzinvestitionen erforderlich machen. Unternehmen sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Angebot für einen Standort unverändert auf eine andere Lieferstelle übertragbar ist.

Die Spannungsebene beeinflusst die Kosten

Strom wird über unterschiedliche Netz- und Spannungsebenen transportiert. Dazu gehören vereinfacht:

  • Höchstspannung,
  • Hochspannung,
  • Mittelspannung,
  • Niederspannung.

Ein kleiner Gewerbebetrieb wird häufig aus dem Niederspannungsnetz versorgt. Größere industrielle Verbraucher können an Mittel- oder Hochspannung angeschlossen sein. Die genutzte Spannungsebene kann Einfluss auf Netzentgelte, Messung und technische Anforderungen haben. Je mehr Netzebenen für die Versorgung genutzt werden, desto mehr Infrastruktur ist grundsätzlich beteiligt. Die konkrete Bewertung gehört jedoch in die individuelle Prüfung der Lieferstelle.

Benutzungsdauer und Lastprofil

Bei größeren Verbrauchern kann nicht nur die höchste Leistung wichtig sein. Auch das Verhältnis zwischen Jahresverbrauch und maximaler Leistung kann eine Rolle spielen. Die sogenannte Benutzungsdauer wird vereinfacht aus Jahresarbeit und Jahreshöchstleistung abgeleitet. Ein Unternehmen mit einem sehr gleichmäßigen Verbrauch nutzt seine maximale Leistung über viele Stunden hinweg. Ein Unternehmen mit kurzen, starken Spitzen erreicht möglicherweise dieselbe Maximalleistung, benötigt sie aber nur selten. Diese unterschiedlichen Verbrauchsmuster können in Netzentgeltsystemen unterschiedlich behandelt werden. Deshalb ist das Lastprofil für die wirtschaftliche Bewertung oft ebenso wichtig wie der Jahresverbrauch.

🧭 Welche Strompreisbestandteile kann ein Unternehmen beeinflussen?

Nicht jeder Kostenbestandteil lässt sich direkt verhandeln. Netzentgelte, Steuern und gesetzliche Umlagen unterliegen anderen Regeln als der wettbewerbliche Lieferpreis. Trotzdem können Unternehmen an mehreren Stellen Einfluss nehmen.

Energiebeschaffung vergleichen

Der wettbewerbliche Anteil des Strompreises kann je nach Anbieter, Laufzeit und Beschaffungsmodell unterschiedlich ausfallen. Eine Marktprüfung kann zeigen, ob:

  • der bestehende Preis noch marktgerecht ist,
  • eine andere Laufzeit sinnvoll wäre,
  • ein Festpreis oder ein strukturiertes Modell besser passt,
  • mehrere Standorte gebündelt werden können,
  • Vertragsbedingungen verbessert werden sollten.

Lastspitzen reduzieren

Leistungsabhängige Kosten können möglicherweise gesenkt werden, wenn vermeidbare Lastspitzen reduziert werden. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Maschinen zeitlich versetzt starten,
  • Ladeprozesse steuern,
  • elektrische Wärme gezielt einsetzen,
  • Produktionsschritte koordinieren,
  • Batteriespeicher zur Spitzenkappung nutzen,
  • automatische Leistungsgrenzen festlegen.

Verbrauch senken

Ein geringerer Stromverbrauch reduziert den verbrauchsabhängigen Kostenanteil. Energieeffizienzmaßnahmen wirken damit nicht nur auf die eigentliche Beschaffung, sondern auch auf weitere mengenabhängige Preisbestandteile.

Lieferstellen strukturieren

Bei mehreren Standorten kann eine zentrale Übersicht helfen, unnötige Doppelstrukturen und unpassende Verträge zu erkennen. Geprüft werden sollten:

  • Grundpreise je Lieferstelle,
  • Zähler- und Messkosten,
  • unterschiedliche Laufzeiten,
  • abweichende Netzgebiete,
  • mögliche Bündelung,
  • stillgelegte oder kaum genutzte Anschlüsse.

Gesetzliche Entlastungen prüfen

Bestimmte Unternehmen können unter genau definierten Voraussetzungen Anspruch auf Ermäßigungen oder Entlastungen haben. Dies kann beispielsweise einzelne Steuern, Umlagen oder Netzentgelte betreffen. Solche Möglichkeiten hängen jedoch stark von Verbrauch, Branche, Lastprofil, Unternehmensgröße und weiteren gesetzlichen Kriterien ab. Sie sollten fachlich und rechtlich geprüft werden.

Was sich nicht einfach „wegverhandeln“ lässt

Eine seriöse Energieberatung sollte klar unterscheiden zwischen verhandelbaren und regulierten Kostenbestandteilen. Nicht jeder Teil einer Stromrechnung kann durch einen Anbieterwechsel verschwinden. Wenn zwei Anbieter dieselbe Lieferstelle versorgen, gelten für wesentliche regulierte Bestandteile grundsätzlich dieselben Rahmenbedingungen. Unterschiede können vor allem entstehen durch:

  • Beschaffungsstrategie,
  • Vertriebskosten,
  • Marge,
  • Vertragsbedingungen,
  • Service,
  • Risikozuschläge,
  • Mengenregelungen.

Eine Ersparnis sollte deshalb nachvollziehbar erklärt werden. Unrealistisch hohe Versprechen können darauf hindeuten, dass Kostenbestandteile unvollständig dargestellt oder Risiken verschoben wurden.

Warum der reine Arbeitspreisvergleich irreführen kann

Viele Angebote werden auf eine einzelne Zahl reduziert:

Cent je Kilowattstunde.

Das ist verständlich, aber nicht ausreichend. Ein Angebot mit niedrigem Arbeitspreis kann an anderer Stelle höhere Kosten oder ungünstigere Bedingungen enthalten. Dazu gehören:

  • höherer Grundpreis,
  • zusätzliche Serviceentgelte,
  • kurze Preisbindung,
  • ungünstige Mengenregelungen,
  • hohe Kosten bei Mehr- oder Minderverbrauch,
  • automatische Verlängerung,
  • eingeschränkte Preisgarantie,
  • abweichende Abrechnungsbedingungen.

Entscheidend sind deshalb die erwarteten Gesamtkosten unter realistischen Verbrauchsannahmen.

Preisgarantie ist nicht gleich Preisgarantie

Auch der Begriff „Preisgarantie“ sollte genau geprüft werden. Nicht jede Preisgarantie umfasst sämtliche Bestandteile des Strompreises. Möglich sind beispielsweise:

  • vollständige Preisgarantie,
  • eingeschränkte Preisgarantie,
  • Garantie nur für Beschaffung und Vertrieb,
  • Ausschluss von Steuern, Umlagen oder Netzentgelten.

Eine Preisgarantie kann daher bestehen, obwohl sich der endgültige Rechnungsbetrag aufgrund veränderter staatlicher oder regulierter Bestandteile erhöht. Unternehmen sollten im Vertrag prüfen:

  • Welche Preisbestandteile sind garantiert?
  • Welche Bestandteile dürfen angepasst werden?
  • Für welchen Zeitraum gilt die Garantie?
  • Welche Informations- und Kündigungsrechte bestehen?
  • Welche Ausnahmen sind vorgesehen?

🔍 Stromrechnungen systematisch prüfen

Eine gewerbliche Stromrechnung kann umfangreich sein. Eine strukturierte Prüfung hilft, Abweichungen und Veränderungen zu erkennen.

Vertragsdaten

  • Stimmen Lieferstelle und Zählernummer?
  • Ist der richtige Tarif hinterlegt?
  • Stimmen Vertrags- und Abrechnungszeitraum?
  • Wurde eine Preisänderung korrekt berücksichtigt?

Verbrauchsdaten

  • Ist der Zählerstand plausibel?
  • Wurde abgelesen oder geschätzt?
  • Passt der Verbrauch zur betrieblichen Entwicklung?
  • Gibt es auffällige Abweichungen zum Vorjahr?

Preisbestandteile

  • Welcher Arbeitspreis wurde berechnet?
  • Welcher Grundpreis gilt?
  • Sind Leistungspreise ausgewiesen?
  • Welche Netzentgelte und Umlagen sind enthalten?
  • Gibt es zusätzliche Gebühren?

Leistung und Lastprofil

  • Welche Jahreshöchstleistung wurde abgerechnet?
  • Wann ist diese Spitze entstanden?
  • Gibt es Veränderungen zum Vorjahr?
  • Entsprechen die Werte den Betriebsabläufen?

Abschläge und Zahlungen

  • Wurden alle Abschläge berücksichtigt?
  • Ist eine Nachzahlung nachvollziehbar?
  • Passt der neue Abschlag zum erwarteten Verbrauch?
  • Wurde ein Guthaben korrekt verrechnet?

Strom- und Gasrechnung nicht gleich behandeln

Strom- und Gaspreise enthalten teilweise ähnliche Kostenblöcke. Dazu gehören Beschaffung, Vertrieb, Netznutzung, Messung und staatliche Bestandteile. Die konkrete Struktur unterscheidet sich jedoch. Bei Gas spielen beispielsweise andere Energiesteuern, Netzstrukturen und Verbrauchsprofile eine Rolle. Auch die Saisonalität ist häufig stärker ausgeprägt, wenn Gas überwiegend zur Beheizung genutzt wird. Strom- und Gasverträge sollten deshalb gemeinsam strategisch betrachtet, aber getrennt kalkuliert und geprüft werden.

Veränderungen im Unternehmen verändern die Preisstruktur

Der Strompreis eines Unternehmens bleibt nicht allein deshalb gleich, weil der Liefervertrag unverändert fortbesteht. Auch betriebliche Veränderungen können die Kostenstruktur beeinflussen.

Dazu gehören:

  • neue Maschinen,
  • längere Betriebszeiten,
  • zusätzliche Schichten,
  • Ladeinfrastruktur,
  • Wärmepumpen,
  • elektrische Prozesswärme,
  • Photovoltaik,
  • Batteriespeicher,
  • Standorterweiterungen,
  • Produktionsrückgang.

Eine Photovoltaikanlage kann den Netzbezug reduzieren, gleichzeitig aber das Lastprofil verändern. Ladeeinrichtungen können den Jahresverbrauch erhöhen und zusätzliche Leistungsspitzen verursachen. Effizienzmaßnahmen können die benötigte Energiemenge senken, ohne automatisch die höchste Leistung im gleichen Umfang zu reduzieren. Deshalb müssen Verbrauch, Leistung und Vertragsstruktur immer gemeinsam betrachtet werden.

Stromkosten richtig einordnen

Acht Fragen zum tatsächlichen Strompreis

Diese acht Fragen helfen dabei, Angebote, Rechnungen und Preisbestandteile vollständig und realistisch zu bewerten.

  1. Wie hoch ist der reine Beschaffungs- und Vertriebsanteil?

    Nur dieser Teil lässt sich im Wettbewerb unmittelbar zwischen verschiedenen Energieanbietern vergleichen.

  2. Welche Netzentgelte gelten für die Lieferstelle?

    Netzgebiet, Spannungsebene und betriebliches Lastprofil können die konkrete Höhe beeinflussen.

  3. Wird ein Leistungspreis berechnet?

    Bei leistungsgemessenen Kunden kann die maximale Bezugsleistung einen erheblichen Kostenanteil verursachen.

  4. Welche Preisbestandteile umfasst die Preisgarantie?

    Nicht jede Garantie deckt Netzentgelte, Steuern, Umlagen und weitere regulierte Bestandteile ab.

  5. Welche Grund- und Zusatzpreise fallen an?

    Mehrere kleinere Positionen können einen scheinbar günstigen Arbeitspreis deutlich relativieren.

  6. Sind Verbrauch und Leistung realistisch prognostiziert?

    Veraltete oder unvollständige Daten können die Bewertung eines Angebots erheblich verfälschen.

  7. Welche betrieblichen Veränderungen stehen bevor?

    Neue elektrische Verbraucher, Effizienzmaßnahmen oder Eigenerzeugung verändern die zukünftige Kostenbasis.

  8. Werden Angebote anhand der Gesamtkosten verglichen?

    Nur eine vollständige Kalkulation ermöglicht einen belastbaren und wirtschaftlich sinnvollen Vergleich.

Die günstigste Kilowattstunde allein genügt nicht

Ein guter Stromvertrag zeichnet sich nicht nur durch einen niedrigen Arbeitspreis aus. Er sollte auch:

  • zum Verbrauch passen,
  • das Lastprofil berücksichtigen,
  • klare Preisbestandteile enthalten,
  • nachvollziehbare Vertragsbedingungen bieten,
  • eine passende Laufzeit haben,
  • betriebliche Veränderungen berücksichtigen,
  • Risiken transparent verteilen.

Wer nur den Börsenstrompreis oder eine einzelne Centangabe betrachtet, sieht deshalb nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Kosten.

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Quellen und weiterführende Informationen

Strompreisbestandteile fundiert einordnen

Die folgenden amtlichen Informationsangebote erläutern die Zusammensetzung des Strompreises, regulierte Netzentgelte, Arbeits- und Leistungspreise, Preisgarantien sowie aktuelle Strompreise für gewerbliche und industrielle Abnehmer.

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