Arico Energy

Mehr- und Minderverbrauch im Energievertrag

Warum die richtige Mengenprognose Geld sparen kann

Beim Abschluss eines Strom- oder Gasvertrags steht häufig der angebotene Preis im Mittelpunkt. Unternehmen vergleichen Arbeitspreise, Vertragslaufzeiten, Preisbindungen und Kündigungsfristen. Ein weiterer Punkt wird dagegen leicht unterschätzt:

Welche Energiemenge wird während des Vertragszeitraums tatsächlich benötigt?

Viele gewerbliche Energieverträge basieren auf einer erwarteten Verbrauchsmenge. Diese Prognose beeinflusst die Kalkulation des Lieferanten und kann Bestandteil der vertraglichen Vereinbarung sein. Weicht der tatsächliche Verbrauch später deutlich von der geplanten Menge ab, kann dies je nach Vertrag wirtschaftliche Folgen haben. Ein Mehrverbrauch muss möglicherweise zu anderen Konditionen beschafft werden. Ein erheblicher Minderverbrauch kann dazu führen, dass bereits eingeplante oder beschaffte Energiemengen nicht wie vorgesehen abgenommen werden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Zu welchem Preis kaufen wir Energie ein?

Sondern auch:

Wie realistisch ist die Energiemenge, auf der unser Vertrag beruht?

⚡ Warum die Verbrauchsmenge für einen Energievertrag wichtig ist

Ein Energieversorger muss abschätzen, wie viel Strom oder Gas seine Kunden voraussichtlich benötigen. Auf dieser Grundlage werden Energiemengen beschafft, Risiken kalkuliert und Vertragsangebote erstellt. Für einen kleinen Standardverbraucher kann die Prognose vergleichsweise einfach sein. Bei größeren gewerblichen Abnehmern können jedoch erhebliche Mengen und komplexe Verbrauchsverläufe betroffen sein. Unternehmen unterscheiden sich unter anderem durch:

  • Jahresverbrauch,
  • Betriebszeiten,
  • saisonale Schwankungen,
  • Produktionsauslastung,
  • Lastprofil,
  • Anzahl der Standorte,
  • eingesetzte Energieträger,
  • eigene Energieerzeugung,
  • zukünftige Investitionen.

Ein Produktionsbetrieb mit mehreren Schichten benötigt eine andere Prognose als ein Bürostandort, ein Hotel, eine Bäckerei oder eine größere Hausverwaltung. Deshalb sollte die erwartete Energiemenge nicht einfach aus einer einzelnen alten Rechnung übernommen werden.

Was bedeutet Mehrverbrauch?

Von Mehrverbrauch wird gesprochen, wenn ein Unternehmen während des Abrechnungs- oder Lieferzeitraums mehr Energie benötigt als ursprünglich prognostiziert oder vertraglich eingeplant. Mögliche Ursachen sind:

  • höhere Produktionsmengen,
  • zusätzliche Schichten,
  • längere Öffnungszeiten,
  • neue Maschinen,
  • ein weiterer Standort,
  • elektrische Ladeinfrastruktur,
  • eine Wärmepumpe,
  • ein kalter Winter,
  • technische Störungen,
  • geringere Eigenproduktion als erwartet.

Mehrverbrauch ist nicht automatisch ein Problem. Entscheidend ist, wie der Vertrag mit Mengenabweichungen umgeht. Je nach Vertragsmodell kann zusätzliche Energie:

  • zum vereinbarten Arbeitspreis,
  • innerhalb einer festgelegten Toleranz,
  • zu einem aktuellen Marktpreis,
  • mit einem vertraglichen Aufschlag,
  • nach einer besonderen Nachbeschaffungsregelung

abgerechnet werden. Deshalb sollte vor Vertragsabschluss klar sein, welche Bedingungen für zusätzliche Mengen gelten.

Was bedeutet Minderverbrauch?

Minderverbrauch liegt vor, wenn weniger Energie abgenommen wird als ursprünglich prognostiziert oder vereinbart. Typische Gründe sind:

  • geringere Produktion,
  • verkürzte Betriebszeiten,
  • Betriebsschließungen,
  • erfolgreich umgesetzte Effizienzmaßnahmen,
  • Installation einer Photovoltaikanlage,
  • mildere Witterung,
  • Aufgabe eines Standorts,
  • technische Umstellungen,
  • Wechsel eines Energieträgers.

Auch ein Minderverbrauch ist nicht automatisch positiv oder negativ. Einerseits sinken die verbrauchsabhängigen Kosten, wenn weniger Energie benötigt wird. Andererseits kann ein Vertrag Regelungen enthalten, nach denen erhebliche Abweichungen von der erwarteten Menge wirtschaftlich berücksichtigt werden. Dies kann insbesondere dann relevant werden, wenn der Lieferant Energiemengen bereits im Voraus für das Unternehmen beschafft oder abgesichert hat.

📊 Ein vereinfachtes Beispiel

Ein Unternehmen erwartet für das kommende Lieferjahr einen Stromverbrauch von:

500.000 Kilowattstunden

Auf dieser Grundlage wird ein Vertrag abgeschlossen. Während des Jahres wird jedoch eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen. Gleichzeitig steigen die Betriebszeiten. Der tatsächliche Verbrauch beträgt am Jahresende:

620.000 Kilowattstunden

Das Unternehmen hat damit 120.000 Kilowattstunden mehr benötigt als ursprünglich prognostiziert. Ob diese zusätzliche Menge zum gleichen Preis geliefert wird, hängt vom konkreten Vertrag ab. In einem anderen Fall installiert das Unternehmen eine größere Photovoltaikanlage und reduziert den Strombezug aus dem Netz. Statt der erwarteten 500.000 Kilowattstunden werden nur noch 360.000 Kilowattstunden bezogen. Auch hier muss geprüft werden, wie der Vertrag mit der Abweichung von 140.000 Kilowattstunden umgeht. Die Beispiele zeigen:

Ein günstiger Energiepreis kann an Aussagekraft verlieren, wenn die zugrunde gelegte Verbrauchsmenge nicht zur tatsächlichen Entwicklung passt.

Toleranzbänder schaffen begrenzten Spielraum

Manche Energieverträge enthalten sogenannte Toleranzbänder oder Mengenkorridore. Innerhalb dieses Bereichs darf der tatsächliche Verbrauch von der prognostizierten Menge abweichen, ohne dass besondere zusätzliche Regelungen greifen.

Vereinfachtes Rechenbeispiel

So funktioniert ein Toleranzband

Vereinbarte Jahresmenge 1.000.000 kWh
Zulässige Abweichung ± 10 Prozent
Vereinbarter Toleranzbereich
900.000 kWh 1.100.000 kWh

Verbrauchsmengen innerhalb dieses Bereichs würden in diesem vereinfachten Beispiel innerhalb des vereinbarten Mengenkorridors liegen.

Verbraucht das Unternehmen 1.050.000 Kilowattstunden, befindet es sich innerhalb des Korridors. Bei einem tatsächlichen Verbrauch von 1.250.000 Kilowattstunden wäre die zulässige Abweichung dagegen überschritten. Wichtig ist:

Die Größe des Toleranzbandes und die Folgen einer Überschreitung sind nicht bei jedem Vertrag gleich.

Unternehmen sollten deshalb genau prüfen:

  • Gibt es überhaupt ein Toleranzband?
  • Auf welche Energiemenge bezieht es sich?
  • Gilt es pro Jahr, Monat oder Lieferstelle?
  • Was geschieht bei einer Überschreitung?
  • Welche Preise gelten für zusätzliche Mengen?
  • Wie wird erheblicher Minderverbrauch behandelt?

Nicht jeder Vertrag behandelt Mengenabweichungen gleich

Die wirtschaftlichen Folgen von Mehr- und Minderverbrauch hängen stark vom gewählten Beschaffungs- und Vertragsmodell ab.

Klassische Vollversorgung

Bei einer klassischen Vollversorgung übernimmt der Lieferant einen großen Teil des Mengen- und Beschaffungsrisikos. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede beliebige Verbrauchsabweichung vollständig und ohne weitere Folgen abgedeckt ist. Auch hier können Mengenvereinbarungen, Toleranzen oder besondere Klauseln bestehen.

Festpreisvertrag mit Mengenregelung

Ein Festpreisvertrag kann einen festgelegten Preis mit einer erwarteten Verbrauchsmenge verbinden. Für Mengen außerhalb eines vereinbarten Bereichs können abweichende Preise oder Abrechnungsmechanismen vorgesehen sein.

Tranchenmodell

Bei einer Tranchenbeschaffung wird der erwartete Bedarf schrittweise eingekauft. Wenn sich die Verbrauchsprognose während der Beschaffungsphase verändert, kann unter Umständen auf spätere Teilmengen reagiert werden. Dafür müssen neue Informationen jedoch frühzeitig erkannt und in die Beschaffungsplanung aufgenommen werden.

Spotmarktnahe Beschaffung

Bei spotmarktnahen Modellen können Mengenabweichungen näher an aktuellen Marktpreisen abgerechnet werden. Das kann in günstigen Marktphasen Vorteile bieten. Es erhöht jedoch die Abhängigkeit von kurzfristigen Preisschwankungen.

🧭 Die Vergangenheit ist nur der Ausgangspunkt

Für eine erste Verbrauchsprognose werden häufig die letzten Jahresabrechnungen verwendet. Das ist sinnvoll, reicht allein aber nicht aus. Vergangene Verbräuche zeigen, was bisher benötigt wurde. Ein neuer Vertrag betrifft jedoch einen zukünftigen Zeitraum. Deshalb müssen historische Daten um geplante Veränderungen ergänzt werden. Ein gutes Prognosemodell betrachtet mindestens:

  • die vergangenen zwei bis drei Verbrauchsjahre,
  • außergewöhnliche Betriebsjahre,
  • Witterungseinflüsse,
  • Produktionsmengen,
  • Öffnungs- und Betriebszeiten,
  • technische Veränderungen,
  • geplante Investitionen,
  • neue oder aufgegebene Standorte,
  • eigene Stromerzeugung,
  • Veränderungen bei Wärme und Mobilität.

Ein einzelnes ungewöhnliches Jahr sollte nicht ungeprüft zur Grundlage einer langfristigen Vertragsmenge werden.

Neue Maschinen verändern Verbrauch und Leistung

Bei der Anschaffung einer neuen Maschine wird üblicherweise die elektrische Anschlussleistung berücksichtigt. Für die Energiebeschaffung ist zusätzlich wichtig:

  • Wie viele Stunden läuft die Maschine?
  • Mit welcher durchschnittlichen Auslastung arbeitet sie?
  • Ersetzt sie eine ältere Anlage?
  • Kommt sie zusätzlich zum bestehenden Maschinenpark hinzu?
  • Verändert sie die Schichtzeiten?
  • Entstehen neue Lastspitzen?
  • Wird Gas durch Strom ersetzt?

Eine Maschine mit hoher Anschlussleistung läuft möglicherweise nur wenige Stunden pro Woche. Eine kleinere Anlage kann dagegen rund um die Uhr betrieben werden und dadurch einen höheren Jahresverbrauch verursachen. Für die Prognose müssen Leistung und tatsächliche Nutzung deshalb getrennt betrachtet werden.

Photovoltaik verändert nicht nur den Jahresverbrauch

Eine Photovoltaikanlage kann den Strombezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem ab von:

  • Anlagengröße,
  • Erzeugungsverlauf,
  • Eigenverbrauch,
  • Betriebszeiten,
  • Wetter,
  • Verschattung,
  • möglicher Speicherung,
  • Einspeisung.

Ein Unternehmen sollte nicht einfach die erwartete Jahreserzeugung vollständig vom bisherigen Netzbezug abziehen. Ein Teil des Solarstroms wird möglicherweise zu Zeiten erzeugt, in denen der Betrieb wenig Energie benötigt. Dieser Strom wird dann eingespeist oder gespeichert, statt direkt verbraucht zu werden. Für die Mengenprognose ist daher entscheidend:

Wie viel der erzeugten Energie reduziert tatsächlich den Strombezug aus dem Netz?

Ladeinfrastruktur kann den Verbrauch schrittweise erhöhen

Neue Ladepunkte führen nicht immer sofort zum maximal erwarteten Stromverbrauch. Zu Beginn werden möglicherweise nur wenige Elektrofahrzeuge eingesetzt. Später wächst die Flotte. Die Prognose sollte deshalb berücksichtigen:

  • Anzahl der Fahrzeuge,
  • jährliche Fahrleistung,
  • durchschnittlichen Verbrauch,
  • Anteil betrieblicher Ladungen,
  • Ladeverluste,
  • Ausbauphasen,
  • gleichzeitige Ladeleistung,
  • Nutzung durch Mitarbeitende oder Gäste.

Wird direkt die endgültige Ausbaustufe angenommen, kann die vertragliche Menge zunächst zu hoch sein. Wird dagegen nur der heutige Fahrzeugbestand berücksichtigt, kann der Bedarf während der Vertragslaufzeit deutlich unterschätzt werden.

Wärmepumpen und Elektrifizierung verschieben den Energiebedarf

Die Umstellung von Gas oder anderen Brennstoffen auf elektrische Systeme verändert mehrere Verbrauchsbereiche gleichzeitig. Eine Wärmepumpe kann den Gasverbrauch senken und den Strombedarf erhöhen. Elektrische Prozesswärme kann eine ähnliche Verschiebung verursachen. Deshalb sollten Strom- und Gasprognosen nicht getrennt voneinander erstellt werden, wenn eine solche Umstellung geplant ist. Wichtige Fragen sind:

  • Wann geht das neue System in Betrieb?
  • Wird das alte System vollständig ersetzt?
  • Gibt es eine Übergangsphase?
  • Wie hoch ist der zusätzliche Stromverbrauch?
  • Wie stark sinkt der Gasverbrauch?
  • Welche saisonalen Schwankungen entstehen?
  • Verändert sich die maximale elektrische Leistung?

Eine fehlende Abstimmung kann dazu führen, dass der Gasvertrag zu groß und der Stromvertrag gleichzeitig zu klein kalkuliert wird.

🌡️ Gasverbrauch hängt besonders stark von der Witterung ab

Bei Unternehmen, die Gas überwiegend zum Heizen nutzen, kann der Jahresverbrauch stark von den Temperaturen abhängen. Ein kalter Winter führt zu einem höheren Bedarf. Ein milder Winter kann den Verbrauch deutlich reduzieren. Deshalb sollte ein einzelnes Jahr nicht ohne Einordnung als langfristige Prognose verwendet werden. Hilfreich ist eine Betrachtung mehrerer Jahre. Zusätzlich sollte geprüft werden:

  • Wurde das Gebäude energetisch saniert?
  • Haben sich beheizte Flächen verändert?
  • Wurden Öffnungs- oder Betriebszeiten angepasst?
  • Gibt es neue Heizsysteme?
  • Wird Gas auch für Produktionsprozesse genutzt?
  • Wurden Temperaturvorgaben verändert?

Bei Prozessgas kann dagegen die Produktionsmenge wichtiger sein als das Wetter.

Mehrere Standorte benötigen eine gemeinsame Übersicht

Unternehmen mit mehreren Lieferstellen sollten Verbrauchsprognosen nicht ausschließlich standortweise und unabhängig voneinander erstellen. Zunächst braucht es eine zentrale Übersicht. Diese sollte enthalten:

  • Standort,
  • Lieferstelle,
  • Energieart,
  • historischer Verbrauch,
  • Vertragslaufzeit,
  • geplante Veränderungen,
  • erwarteter zukünftiger Verbrauch,
  • verantwortliche Person.

Anschließend kann geprüft werden, ob Standorte gemeinsam beschafft werden sollen oder unterschiedliche Vertragsmodelle benötigen. Ein Produktionsstandort mit stark schwankendem Verbrauch kann eine andere Mengenstruktur benötigen als ein Verwaltungsgebäude mit relativ konstantem Bedarf.

Stillgelegte Lieferstellen verursachen vermeidbare Kosten

In gewachsenen Unternehmensstrukturen bleiben gelegentlich Verträge oder Zähler bestehen, obwohl eine Lieferstelle kaum noch genutzt wird. Mögliche Fälle sind:

  • leer stehende Gebäudeteile,
  • aufgegebene Lager,
  • stillgelegte Maschinen,
  • ehemalige Mietflächen,
  • nicht mehr genutzte Unterverteilungen,
  • Reserveanschlüsse.

Auch bei geringem Verbrauch können weiterhin Grundpreise, Messkosten oder andere feste Bestandteile anfallen. Vor einer neuen Ausschreibung sollte deshalb geprüft werden, welche Lieferstellen tatsächlich noch benötigt werden.

Verbrauchsdaten müssen plausibel sein

Eine gute Prognose benötigt verlässliche Ausgangsdaten. Unternehmen sollten deshalb nicht nur Zahlen zusammentragen, sondern sie auch auf Plausibilität prüfen. Auffälligkeiten können sein:

  • ungewöhnlich hohe Verbräuche,
  • fehlende Abrechnungszeiträume,
  • geschätzte Zählerstände,
  • doppelt erfasste Lieferstellen,
  • falsche Zählerzuordnungen,
  • kurzfristige Betriebsausfälle,
  • außergewöhnliche Produktionsjahre,
  • nachträgliche Rechnungskorrekturen.

Ein fehlerhafter Ausgangswert kann sich durch die gesamte Vertragsplanung fortsetzen.

📋 Welche Unterlagen für eine Mengenprognose hilfreich sind

Für eine erste Bewertung eignen sich insbesondere:

  • Strom- und Gasabrechnungen der vergangenen Jahre,
  • aktuelle Lieferverträge,
  • Verbrauchsübersichten,
  • Lastgangdaten,
  • Produktionszahlen,
  • Öffnungs- und Betriebszeiten,
  • Standortlisten,
  • Investitionspläne,
  • Angaben zu Photovoltaik und Speichern,
  • Planung der Fahrzeugflotte,
  • Informationen zu neuen Heizsystemen.

Nicht jedes Unternehmen verfügt sofort über alle Daten. Wichtig ist, mit einer strukturierten Bestandsaufnahme zu beginnen und fehlende Informationen gezielt zu ergänzen.

Verbrauchsplanung

Wie Unternehmen eine Prognose systematisch aufbauen können

Eine belastbare Mengenplanung entsteht Schritt für Schritt aus historischen Daten, betrieblichen Veränderungen und den konkreten Bedingungen des Energievertrags.

  1. Historische Verbräuche erfassen

    Mindestens die vergangenen zwei bis drei Jahre sollten als Ausgangsbasis betrachtet werden.

    Strom und Gas werden dabei getrennt ausgewertet, damit unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen sichtbar bleiben.

  2. Sondereffekte markieren

    Außergewöhnliche Ereignisse müssen in den historischen Daten eindeutig erkennbar sein.

    • vorübergehende Betriebsschließung
    • Produktionsausfall
    • Umbau oder Sanierung
    • extremer Winter
    • außergewöhnlich geringe Auslastung
  3. Betriebliche Veränderungen ergänzen

    Neue Maschinen, zusätzliche Schichten, Standortänderungen oder Effizienzmaßnahmen werden mit ihrem voraussichtlichen Beginn berücksichtigt.

    Entscheidend ist nicht nur, was geplant ist, sondern ab welchem Zeitpunkt sich die Maßnahme tatsächlich auf den Energiebedarf auswirkt.

  4. Eigenerzeugung und Elektrifizierung einbeziehen

    Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur verändern den zukünftigen Netzbezug.

    Strom- und Gasprognosen sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden, sobald Energieträger ersetzt oder zusätzliche elektrische Verbraucher geplant werden.

  5. Prognosebereiche bilden

    Statt ausschließlich mit einem einzelnen Wert zu arbeiten, können mehrere realistische Verbrauchsszenarien sinnvoll sein.

    Niedriger Bedarf Realistischer Bedarf Hoher Bedarf
  6. Vertragsbedingungen abgleichen

    Die erwarteten Schwankungen müssen zum Toleranzbereich und zu den Mengenregelungen des Vertrags passen.

    Dabei ist insbesondere zu prüfen, wie Mehrverbrauch, Minderverbrauch und Überschreitungen vereinbarter Mengenkorridore behandelt werden.

Planung mit Bandbreiten

Drei Szenarien für die Verbrauchsprognose

Statt nur mit einem festen Verbrauchswert zu arbeiten, können unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten gegenübergestellt werden.

Vorsichtiges Szenario

Niedrige Produktionsauslastung, milde Witterung oder eine schnelle Umsetzung geplanter Einsparmaßnahmen führen zu einem vergleichsweise niedrigen Energiebedarf.

Realistisches Szenario

Dieses Szenario bildet die nach aktueller Planung wahrscheinlichste Entwicklung des Unternehmens und seines zukünftigen Energiebedarfs ab.

Wachstumsszenario

Höhere Produktion, zusätzliche Maschinen, wachsender Ladebedarf oder eine spätere Umsetzung von Effizienzmaßnahmen führen zu einem höheren Energiebedarf.

Veränderungen während der Vertragslaufzeit beobachten

Eine gute Prognose zum Vertragsbeginn reicht nicht aus. Der tatsächliche Verbrauch sollte während der Laufzeit überwacht werden. Sinnvoll sind:

  • monatliche Verbrauchskontrollen,
  • Vergleich mit der Prognose,
  • Beobachtung größerer Abweichungen,
  • Aktualisierung nach Investitionen,
  • Überprüfung neuer Standorte,
  • frühzeitige Information zuständiger Ansprechpartner.

Je früher eine relevante Abweichung erkannt wird, desto größer kann der Handlungsspielraum sein. Möglicherweise lassen sich Prognosen anpassen, Mengen nachbeschaffen oder betriebliche Maßnahmen berücksichtigen. Ob und wie dies möglich ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Nicht jeder Vertrag behandelt Mengenabweichungen gleich

Die wirtschaftlichen Folgen von Mehr- und Minderverbrauch hängen stark vom gewählten Beschaffungs- und Vertragsmodell ab.

Klassische Vollversorgung

Bei einer klassischen Vollversorgung übernimmt der Lieferant einen großen Teil des Mengen- und Beschaffungsrisikos. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede beliebige Verbrauchsabweichung vollständig und ohne weitere Folgen abgedeckt ist. Auch hier können Mengenvereinbarungen, Toleranzen oder besondere Klauseln bestehen.

Festpreisvertrag mit Mengenregelung

Ein Festpreisvertrag kann einen festgelegten Preis mit einer erwarteten Verbrauchsmenge verbinden. Für Mengen außerhalb eines vereinbarten Bereichs können abweichende Preise oder Abrechnungsmechanismen vorgesehen sein.

Tranchenmodell

Bei einer Tranchenbeschaffung wird der erwartete Bedarf schrittweise eingekauft. Wenn sich die Verbrauchsprognose während der Beschaffungsphase verändert, kann unter Umständen auf spätere Teilmengen reagiert werden. Dafür müssen neue Informationen jedoch frühzeitig erkannt und in die Beschaffungsplanung aufgenommen werden.

Spotmarktnahe Beschaffung

Bei spotmarktnahen Modellen können Mengenabweichungen näher an aktuellen Marktpreisen abgerechnet werden. Das kann in günstigen Marktphasen Vorteile bieten. Es erhöht jedoch die Abhängigkeit von kurzfristigen Preisschwankungen.

🧭 Die Vergangenheit ist nur der Ausgangspunkt

Für eine erste Verbrauchsprognose werden häufig die letzten Jahresabrechnungen verwendet. Das ist sinnvoll, reicht allein aber nicht aus. Vergangene Verbräuche zeigen, was bisher benötigt wurde. Ein neuer Vertrag betrifft jedoch einen zukünftigen Zeitraum. Deshalb müssen historische Daten um geplante Veränderungen ergänzt werden. Ein gutes Prognosemodell betrachtet mindestens:

  • die vergangenen zwei bis drei Verbrauchsjahre,
  • außergewöhnliche Betriebsjahre,
  • Witterungseinflüsse,
  • Produktionsmengen,
  • Öffnungs- und Betriebszeiten,
  • technische Veränderungen,
  • geplante Investitionen,
  • neue oder aufgegebene Standorte,
  • eigene Stromerzeugung,
  • Veränderungen bei Wärme und Mobilität.

Ein einzelnes ungewöhnliches Jahr sollte nicht ungeprüft zur Grundlage einer langfristigen Vertragsmenge werden.

Videoempfehlung

Verbrauchsdaten und Lastgänge richtig analysieren

Das Webinar zeigt, wie Unternehmen ihre Verbrauchs- und Lastgangdaten systematisch auswerten können. Wiederkehrende Verbrauchsmuster, Grundlasten, Lastspitzen und betriebliche Veränderungen werden dadurch sichtbar und können als Grundlage für eine realistischere Energieplanung dienen.

Das Video behandelt vor allem die Analyse betrieblicher Verbrauchsdaten. Die konkreten Folgen von Mehrverbrauch, Minderverbrauch und Mengentoleranzen richten sich zusätzlich nach den Bedingungen des jeweiligen Strom- oder Gasvertrags.

Quelle: SKZ – Das Kunststoff-Zentrum. Das Video wird über den erweiterten Datenschutzmodus von YouTube eingebunden.

Neue Maschinen verändern Verbrauch und Leistung

Bei der Anschaffung einer neuen Maschine wird üblicherweise die elektrische Anschlussleistung berücksichtigt. Für die Energiebeschaffung ist zusätzlich wichtig:

  • Wie viele Stunden läuft die Maschine?
  • Mit welcher durchschnittlichen Auslastung arbeitet sie?
  • Ersetzt sie eine ältere Anlage?
  • Kommt sie zusätzlich zum bestehenden Maschinenpark hinzu?
  • Verändert sie die Schichtzeiten?
  • Entstehen neue Lastspitzen?
  • Wird Gas durch Strom ersetzt?

Eine Maschine mit hoher Anschlussleistung läuft möglicherweise nur wenige Stunden pro Woche. Eine kleinere Anlage kann dagegen rund um die Uhr betrieben werden und dadurch einen höheren Jahresverbrauch verursachen. Für die Prognose müssen Leistung und tatsächliche Nutzung deshalb getrennt betrachtet werden.

Photovoltaik verändert nicht nur den Jahresverbrauch

Eine Photovoltaikanlage kann den Strombezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem ab von:

  • Anlagengröße,
  • Erzeugungsverlauf,
  • Eigenverbrauch,
  • Betriebszeiten,
  • Wetter,
  • Verschattung,
  • möglicher Speicherung,
  • Einspeisung.

Ein Unternehmen sollte nicht einfach die erwartete Jahreserzeugung vollständig vom bisherigen Netzbezug abziehen. Ein Teil des Solarstroms wird möglicherweise zu Zeiten erzeugt, in denen der Betrieb wenig Energie benötigt. Dieser Strom wird dann eingespeist oder gespeichert, statt direkt verbraucht zu werden. Für die Mengenprognose ist daher entscheidend:

Wie viel der erzeugten Energie reduziert tatsächlich den Strombezug aus dem Netz?

Ladeinfrastruktur kann den Verbrauch schrittweise erhöhen

Neue Ladepunkte führen nicht immer sofort zum maximal erwarteten Stromverbrauch. Zu Beginn werden möglicherweise nur wenige Elektrofahrzeuge eingesetzt. Später wächst die Flotte. Die Prognose sollte deshalb berücksichtigen:

  • Anzahl der Fahrzeuge,
  • jährliche Fahrleistung,
  • durchschnittlichen Verbrauch,
  • Anteil betrieblicher Ladungen,
  • Ladeverluste,
  • Ausbauphasen,
  • gleichzeitige Ladeleistung,
  • Nutzung durch Mitarbeitende oder Gäste.

Wird direkt die endgültige Ausbaustufe angenommen, kann die vertragliche Menge zunächst zu hoch sein. Wird dagegen nur der heutige Fahrzeugbestand berücksichtigt, kann der Bedarf während der Vertragslaufzeit deutlich unterschätzt werden.

Wärmepumpen und Elektrifizierung verschieben den Energiebedarf

Die Umstellung von Gas oder anderen Brennstoffen auf elektrische Systeme verändert mehrere Verbrauchsbereiche gleichzeitig. Eine Wärmepumpe kann den Gasverbrauch senken und den Strombedarf erhöhen. Elektrische Prozesswärme kann eine ähnliche Verschiebung verursachen. Deshalb sollten Strom- und Gasprognosen nicht getrennt voneinander erstellt werden, wenn eine solche Umstellung geplant ist. Wichtige Fragen sind:

  • Wann geht das neue System in Betrieb?
  • Wird das alte System vollständig ersetzt?
  • Gibt es eine Übergangsphase?
  • Wie hoch ist der zusätzliche Stromverbrauch?
  • Wie stark sinkt der Gasverbrauch?
  • Welche saisonalen Schwankungen entstehen?
  • Verändert sich die maximale elektrische Leistung?

Eine fehlende Abstimmung kann dazu führen, dass der Gasvertrag zu groß und der Stromvertrag gleichzeitig zu klein kalkuliert wird.

🌡️ Gasverbrauch hängt besonders stark von der Witterung ab

Bei Unternehmen, die Gas überwiegend zum Heizen nutzen, kann der Jahresverbrauch stark von den Temperaturen abhängen. Ein kalter Winter führt zu einem höheren Bedarf. Ein milder Winter kann den Verbrauch deutlich reduzieren. Deshalb sollte ein einzelnes Jahr nicht ohne Einordnung als langfristige Prognose verwendet werden. Hilfreich ist eine Betrachtung mehrerer Jahre. Zusätzlich sollte geprüft werden:

  • Wurde das Gebäude energetisch saniert?
  • Haben sich beheizte Flächen verändert?
  • Wurden Öffnungs- oder Betriebszeiten angepasst?
  • Gibt es neue Heizsysteme?
  • Wird Gas auch für Produktionsprozesse genutzt?
  • Wurden Temperaturvorgaben verändert?

Bei Prozessgas kann dagegen die Produktionsmenge wichtiger sein als das Wetter.

Mehrere Standorte benötigen eine gemeinsame Übersicht

Unternehmen mit mehreren Lieferstellen sollten Verbrauchsprognosen nicht ausschließlich standortweise und unabhängig voneinander erstellen. Zunächst braucht es eine zentrale Übersicht. Diese sollte enthalten:

  • Standort,
  • Lieferstelle,
  • Energieart,
  • historischer Verbrauch,
  • Vertragslaufzeit,
  • geplante Veränderungen,
  • erwarteter zukünftiger Verbrauch,
  • verantwortliche Person.

Anschließend kann geprüft werden, ob Standorte gemeinsam beschafft werden sollen oder unterschiedliche Vertragsmodelle benötigen. Ein Produktionsstandort mit stark schwankendem Verbrauch kann eine andere Mengenstruktur benötigen als ein Verwaltungsgebäude mit relativ konstantem Bedarf.

Stillgelegte Lieferstellen verursachen vermeidbare Kosten

In gewachsenen Unternehmensstrukturen bleiben gelegentlich Verträge oder Zähler bestehen, obwohl eine Lieferstelle kaum noch genutzt wird. Mögliche Fälle sind:

  • leer stehende Gebäudeteile,
  • aufgegebene Lager,
  • stillgelegte Maschinen,
  • ehemalige Mietflächen,
  • nicht mehr genutzte Unterverteilungen,
  • Reserveanschlüsse.

Auch bei geringem Verbrauch können weiterhin Grundpreise, Messkosten oder andere feste Bestandteile anfallen. Vor einer neuen Ausschreibung sollte deshalb geprüft werden, welche Lieferstellen tatsächlich noch benötigt werden.

Verbrauchsdaten müssen plausibel sein

Eine gute Prognose benötigt verlässliche Ausgangsdaten. Unternehmen sollten deshalb nicht nur Zahlen zusammentragen, sondern sie auch auf Plausibilität prüfen. Auffälligkeiten können sein:

  • ungewöhnlich hohe Verbräuche,
  • fehlende Abrechnungszeiträume,
  • geschätzte Zählerstände,
  • doppelt erfasste Lieferstellen,
  • falsche Zählerzuordnungen,
  • kurzfristige Betriebsausfälle,
  • außergewöhnliche Produktionsjahre,
  • nachträgliche Rechnungskorrekturen.

Ein fehlerhafter Ausgangswert kann sich durch die gesamte Vertragsplanung fortsetzen.

📋 Welche Unterlagen für eine Mengenprognose hilfreich sind

Für eine erste Bewertung eignen sich insbesondere:

  • Strom- und Gasabrechnungen der vergangenen Jahre,
  • aktuelle Lieferverträge,
  • Verbrauchsübersichten,
  • Lastgangdaten,
  • Produktionszahlen,
  • Öffnungs- und Betriebszeiten,
  • Standortlisten,
  • Investitionspläne,
  • Angaben zu Photovoltaik und Speichern,
  • Planung der Fahrzeugflotte,
  • Informationen zu neuen Heizsystemen.

Nicht jedes Unternehmen verfügt sofort über alle Daten. Wichtig ist, mit einer strukturierten Bestandsaufnahme zu beginnen und fehlende Informationen gezielt zu ergänzen.

Verbrauchsplanung

Wie Unternehmen eine Prognose systematisch aufbauen können

Eine belastbare Mengenplanung kann in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten erfolgen.

  1. Historische Verbräuche erfassen

    Mindestens die vergangenen zwei bis drei Jahre sollten als Ausgangsbasis betrachtet werden.

    Strom und Gas werden getrennt ausgewertet, damit unterschiedliche Entwicklungen sichtbar bleiben.

  2. Sondereffekte markieren

    Außergewöhnliche Ereignisse müssen in den historischen Daten eindeutig erkennbar sein.

    • vorübergehende Betriebsschließung
    • Produktionsausfall
    • Umbau oder Sanierung
    • extremer Winter
    • außergewöhnlich geringe Auslastung
  3. Betriebliche Veränderungen ergänzen

    Neue Maschinen, zusätzliche Schichten, Standortänderungen oder Effizienzmaßnahmen werden mit ihrem voraussichtlichen Beginn berücksichtigt.

    Entscheidend ist, ab welchem Zeitpunkt sich die jeweilige Veränderung tatsächlich auf den Verbrauch auswirkt.

  4. Eigenerzeugung und Elektrifizierung einbeziehen

    Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur verändern den zukünftigen Netzbezug.

    Strom- und Gasbedarf sollten gemeinsam betrachtet werden, sobald Energieträger ersetzt oder zusätzliche elektrische Verbraucher geplant werden.

  5. Prognosebereiche bilden

    Statt ausschließlich mit einem einzelnen Wert zu arbeiten, können mehrere realistische Szenarien abgebildet werden.

    Niedriger Bedarf Realistischer Bedarf Hoher Bedarf
  6. Vertragsbedingungen abgleichen

    Die erwarteten Schwankungen müssen zum Toleranzbereich und zu den Mengenregelungen des Vertrags passen.

    Dabei sollte geprüft werden, wie Mehrverbrauch, Minderverbrauch und Überschreitungen des vereinbarten Mengenkorridors behandelt werden.

Drei Szenarien sind oft besser als eine einzelne Zahl

Eine Prognose ist keine Garantie. Deshalb kann es sinnvoll sein, nicht ausschließlich einen einzigen Verbrauchswert zu verwenden. Ein Unternehmen könnte beispielsweise mit drei Szenarien arbeiten:

Vorsichtiges Szenario

Niedrige Produktionsauslastung, milde Witterung oder schnelle Umsetzung geplanter Einsparmaßnahmen.

Realistisches Szenario

Die nach aktueller Planung wahrscheinlichste Entwicklung.

Wachstumsszenario

Höhere Produktion, zusätzliche Maschinen, mehr Ladebedarf oder spätere Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. Der Energievertrag sollte anschließend daraufhin geprüft werden, wie er mit diesen möglichen Entwicklungen umgeht.

Veränderungen während der Vertragslaufzeit beobachten

Eine gute Prognose zum Vertragsbeginn reicht nicht aus. Der tatsächliche Verbrauch sollte während der Laufzeit überwacht werden.

Sinnvoll sind:

  • monatliche Verbrauchskontrollen,
  • Vergleich mit der Prognose,
  • Beobachtung größerer Abweichungen,
  • Aktualisierung nach Investitionen,
  • Überprüfung neuer Standorte,
  • frühzeitige Information zuständiger Ansprechpartner.

Je früher eine relevante Abweichung erkannt wird, desto größer kann der Handlungsspielraum sein. Möglicherweise lassen sich Prognosen anpassen, Mengen nachbeschaffen oder betriebliche Maßnahmen berücksichtigen. Ob und wie dies möglich ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Typische Fehler bei der Mengenplanung

Nur die letzte Jahresabrechnung verwenden

Ein einzelnes Jahr kann durch Wetter, Produktionsausfälle oder Sondereffekte verzerrt sein.

Geplante Investitionen nicht berücksichtigen

Neue Maschinen, Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladepunkte können den Bedarf erheblich verändern.

Strom und Gas getrennt planen

Bei einer Elektrifizierung sinkt möglicherweise der Gasverbrauch, während der Strombedarf steigt.

Erzeugung mit Netzbezug verwechseln

Die gesamte Photovoltaikerzeugung reduziert nicht automatisch im gleichen Umfang den Strombezug.

Mehrere Standorte nicht zentral erfassen

Uneinheitliche Daten und fehlende Zuständigkeiten führen schnell zu falschen Mengen.

Vertragsklauseln nicht lesen

Ein attraktiver Arbeitspreis sagt wenig darüber aus, wie Mehr- oder Minderverbrauch behandelt wird.

Prognosen nach Vertragsabschluss nicht mehr prüfen

Betriebliche Veränderungen können bereits während der Laufzeit deutliche Abweichungen verursachen.

Prognose-Check

Zehn Fragen für eine realistische Verbrauchsprognose

Diese Fragen helfen dabei, historische Daten, geplante Veränderungen und vertragliche Mengentoleranzen vollständig zu berücksichtigen.

  1. Welche Verbräuche hatten wir in den vergangenen Jahren?

    Mehrere Jahre liefern eine belastbarere Grundlage als eine einzelne Abrechnung.

  2. Gab es außergewöhnliche Betriebsjahre?

    Produktionsausfälle, Umbauten oder ungewöhnliche Witterung müssen eingeordnet werden.

  3. Welche Maschinen oder Standorte kommen hinzu?

    Neue Verbraucher sollten mit Inbetriebnahme und erwarteter Nutzung berücksichtigt werden.

  4. Welche Anlagen fallen weg?

    Stilllegungen und Effizienzmaßnahmen können den zukünftigen Energiebedarf reduzieren.

  5. Wie verändert Photovoltaik den tatsächlichen Netzbezug?

    Entscheidend ist der erwartete Eigenverbrauch und nicht allein die jährliche Stromerzeugung.

  6. Sind Wärmepumpen oder elektrische Prozesse geplant?

    Elektrifizierung verschiebt Energiebedarf von Gas oder anderen Brennstoffen hin zu Strom.

  7. Wie entwickelt sich die Ladeinfrastruktur?

    Fahrzeuganzahl, Fahrleistung, Ladebedarf und geplante Ausbauphasen beeinflussen die Prognose.

  8. Welche saisonalen Schwankungen bestehen?

    Gasverbrauch und bestimmte Produktionsprozesse können stark saisonabhängig sein.

  9. Welche Mengentoleranzen enthält der Vertrag?

    Verbrauchsabweichungen müssen innerhalb der konkreten vertraglichen Regeln bewertet werden.

  10. Wer überwacht Prognose und tatsächlichen Verbrauch?

    Klare Zuständigkeiten verhindern, dass relevante Veränderungen erst verspätet erkannt werden.

Der niedrigste Preis hilft wenig bei der falschen Menge

Ein Energieangebot kann einen attraktiven Arbeitspreis enthalten. Wenn die zugrunde gelegte Energiemenge jedoch deutlich vom tatsächlichen Bedarf abweicht, kann die wirtschaftliche Bewertung unvollständig sein. Deshalb gehören drei Punkte immer zusammen:

  • Preis,
  • Vertragsbedingungen,
  • Verbrauchsprognose.

Erst ihr Zusammenspiel zeigt, ob ein Vertrag wirklich zum Unternehmen passt.

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Quellen und weiterführende Informationen

Verbrauchsdaten und Mengenprognosen fundiert planen

Die folgenden amtlichen und öffentlich getragenen Quellen liefern Hintergrundwissen zur systematischen Erfassung von Energieverbräuchen, zur Witterungsbereinigung, zu Photovoltaik-Eigenverbrauch und zu neuen elektrischen Verbrauchern wie betrieblicher Ladeinfrastruktur.

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